Heinz Rieländer

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Heinz Rieländer - seine Lebensgeschichte
(verfasst von Maximilian Rieländer im November 2003)

Heinz Rieländer wurde am 5. November 1915 von seinen Eltern Max Rieländer und Therese Rieländer, geborene Krukenmeyer, als 5. Kind nach 4 Schwestern geboren; es folgten eine weitere Schwester und ein Bruder. Er wuchs in einer großen Familie, zusammen auch mit seinen Großeltern, in der Stadtmitte von Rietberg auf, beeinflusst durch eine ausgeprägte katholische Familien- und Gemeindetradition.

Heinz Rieländer erlebte im Elternhaus auch die Weiterentwicklung des von seinem Urgroßvater Max Lüning 1853 gegründeten Familienbetriebes, der Firma Max Lüning, als Lebensmittelgeschäft, Gasthof, Fuhrwerksstation, Bäckerei bis hin zu einem von seinem Vater ausgebauten Lebensmittelgroßhandel. (Zur Familiengeschichte der Firma Max Lüning)

Er besuchte die Volksschule und anschließend das Progymnasium in Rietberg, das damals von Wilhelm Leppelmann, seinem späteren Schwiegervater, geleitet wurde. Durch die Schulzeit und Jugendarbeit freundete er sich mit Alfons und Werner Leppelmann, den Söhnen von Wilhelm Leppelmann, an und lernte auch Martha Leppelmann, geboren am 25. Dezember 1922, als jüngere Schwester seiner Freunde und Spielkameradin kennen. Nach der Mittleren Reife wechselte er 1931 für die Jahre der gymnasialen Oberstufe zum Aloisiuskolleg der Jesuiten in Bad Godesberg; diese Jahre erlebte er intensiv und pflegte lebenslang tiefe Freundschaften mit Mitschülern. Nach dem Abitur 1935 entschloss er sich zur Mitarbeit im Familienbetrieb.

Einen ersten starken Einbruch in seinem Leben erlebte Heinz Rieländer durch den plötzlichen Tod seines Vaters am 27. November 1936. Er musste schnell in die Leitung des Familienbetriebes der Firma Max Lüning hineinwachsen, der dem Unterhalt der ganzen Familie diente. Da der Lebensmittelgroßhandel gewachsen war, entschied er sich schon 1937 zu einem Neubau des Betriebes mit Lagergebäuden am Stadtrand von Rietberg.

Ein weiterer dramatischer Einschnitt in seinem Leben waren für ihn die Kriegsjahre, gekennzeichnet durch einen 5-jährigen Einsatz als Funker an der Front im Frankreich- und Russlandfeldzug, wobei er Todesgefahren erlebte und bewusst verarbeitete, gekennzeichnet durch die Kriegstode seines jüngeren Bruders Maximilian und seiner Freunde Alfons und Werner Leppelmann, gekennzeichnet auch durch einen Bein-Durchschuss im Sommer 1944, was ihn vor weiteren Schusslinien der Front ‚rettete’ und für den er fortan lebenslänglich eine Gehbehinderung ohne Wehklagen ertrug.

Nach dem Kriege wurde Heinz Rieländer von Martha Leppelmann im Oktober 1945 besucht, und beide entwickelten schnell eine herzliche Partnerschaft. Sie heirateten am 11. September 1946 im Dom zu Paderborn und lebten seitdem in trauter Gemeinsamkeit 57 Jahre zusammen. Sie bekamen vier Söhne Maximilian (1947), Wolfgang (1948), Alfons (1951) und Heinz-Josef (1954). 

Heinz Rieländer baute die Firma Max Lüning, zu einem ausgedehnten Lebensmittelgroßhandel aus, der viele Lebensmittelgeschäfte im Umkreis von 100 km belieferte. Dabei war er auch Mitbegründer der Lebensmittel A& O (heute Markant). Er erweiterte den Familienbetrieb  erfolgreich: seit den 60er Jahren kamen als Geschäftsbereiche SB-Läden und Elli-Center mit einem weitreichenden vielseitigen Warenangebot hinzu; er erwarb weitere  Firmen im Umkreis und gründete neue Teilfirmen wie z.B. Ladenbau und Druckerei. Er fühlte sich der Familie und dem Familienbetrieb verpflichtet und leitete den Familienbetrieb erfolgreich mit Klugheit,  Achtsamkeit und Weitsicht. Ab 1975 bezog er den Sohn Wolfgang Rieländer als Geschäftsführer in die Firmenleitung ein. 1989 zog er sich 73-jährig aus geschäftlichen Erwägungen aus der Firma zurück. Danach war er in seinen Seniorenjahren als Bauherr und Hausverwalter tätig und leistete bis in seine letzten Lebenswochen eine vorbildliche Verwaltung mehrerer Häuser.

Als lebenslänglicher Rietberger Bürger war Heinz Rieländer viele Jahre lang ehrenamtlich  engagiert: im Kirchenvorstand 24 Jahre lang, im Krankenhauskuratorium, als Ratsmitglied der Stadt Rietberg und in vielen Vereinen. Dabei schoss er 1952 beim Schützenfest ‚den Vogel ab’. Er war seit 1967 Gründungsmitglied im Bund Katholischer Unternehmer (BKU), war in der Wirtschaftsvereinigung Groß- und Außenhandel des Bezirks Bielefeld Vorstandmitglied, gehörte der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer an und war beim Landgericht Bielefeld als ehrenamtlicher Handelsrichter 17 Jahre lang tätig. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde er 1989 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ihm lag die Familienforschung sehr am Herzen und wusste immer viel Familiengeschichten bis ins 17. Jahrhundert zu erzählen. Ebenso war er für die Heimatforschung engagiert; er „kannte die Geschichte der Rietberger Bürgerhäuser und seiner Bewohner und wusste interessant darüber zu berichten“.

Seit 1990 war Heinz Rieländer von einigen Krankheitsphasen betroffen. Seit dem Sommer 2003 erlebte er eine deutlich schwächende Krankheitsphase, auch als langjährige Nachwirkung seiner Kriegsverletzung. Mit der Familie feierte er, schon deutlich geschwächt, an seinem letzten Wochenende seinen 88. Geburtstag. Dabei war er unter anderem auch geistig wach beim Doppelkopf, dem geliebten Familienspiel.

Er verstarb am 8. November 2003 im gesegneten Alter von 88 Jahren nach einem arbeitsreichen erfüllten Leben. 

Würdigungen zu Heinz Rieländer aus der Gemeinde nach dem Tod:

  • Familie und familiärer Zusammenhalt stand für ihn an erster Stelle. Und er hat es bis in seine letzten Lebenstage genossen, wenn die Familie zusammenkam und sich um ihn scharrte; … er war so etwas wie der Patriarch seiner Familie, der wahrscheinlich durch seine ausgeprägten, markanten Eigenschaften Einiges an Prägungen an die nächsten Generationen weitergegeben hat, nicht zuletzt durch seine Glaubensüberzeugung als katholischer Christ … und seine Treue zur Kirche.“ (aus der Ansprache von Pfarrer Rademacher beim Beerdigungsamt)
  • "Wir verlieren … eine herausragende Rietberger Persönlichkeit, die sich durch Unternehmergeist und Arbeitseifer, aber auch durch Engagement und Verlässlichkeit auszeichnete.“ (Bürgermeister Andre Kuper)